Wintermärchen für kleine und große Hunde

Gewidmet meiner geliebten Hündin
»Diana-Lee vom Hohen Urinstein zu Beissenberg«

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Es war einmal im tiefem Sibirien ein großer weißer sibirischer Schneehund. Wenn es an der Zeit war und wenn der Winter kommen sollte, erhob er sich von seinem Lager, reckte und streckte sich ausgiebig, und schüttelte sich ungeheuerlich.

Dann begann es leise in der Welt zu schneien. Weil aber nur die kleinen Hunde daran glaubten, sahen es die Menschen nicht. Die kleinen Hunde sprangen auf von ihrem Lager und versuchten all die phantastischen großen weißen Schneeflocken zu fangen. Die Menschen aber glaubten die lieben Hunde, wären von einem bösen Geist verhext, und wollten sie einsperren. Daraufhin weinten und heulten sie alle kläglich, dass die Welt erschauerte unter diesem großen Geheule.

Das bemerkte auch der große weiße sibirische Schneehund und gab den Hirschen des Nikolauses den Befehl den großen silbernen Nikolausschlitten anzuspannen. Es sind nämlich Zauberhirsche und sie können natürlich den Schlitten ganz allein anspannen.

Er müsste dringlich hinunter zu den vielen kleinen Hunden die nicht in dem phantastischen Schnee, den er selber gezaubert hatte, spielen um ihre Sinne zu schärfen für ein wachsames Hundeleben. Schließlich müssten sie noch viele Aufgaben erfüllen, daher hätten sie das Recht auf Hundeschneespiele.

Nur zu, ihr Hirsche, das kann ich nicht mit ansehen. Der Nikolaus hat noch Zeit bis zum 6. Dezember. Bis dahin sind wir längst wieder zurück.

So geschah es dann, die großen freundlichen Hirsche des Nikolauses spannten den wunderschönen silbernen Schlitten selber an, und warteten, bis der große sibirische Schneehund den Sack mit Hundespielzeugen gepackt und die Rute für die Menschen auch sorgsam verstaut hatte.

So ging es alsbald los mit großem Gebell weit in den Wolken, ja fürchten sollten sich die Menschen, sie wollten ihre Beschützer, die Hunde, nicht an dem Treiben teilhaben lassen, was sie notwendig brauchten.

Denn eines Tages wird der Mensch in großer Not und Gefahr sein, und seinen treuen Freund rufen, dann ist es zu spät, denn er wird übellaunig und faul in der Ecke liegen und sich nicht bewegen wollen, denn er hat das nicht gelernt.

Dem Treiben müsste er nun ein Ende machen. So geschah es auch, als er der Erde ansichtig wurde, hieß er die Hirsche anzuhalten und ihn aussteigen zu lassen. Er nahm sein Gepäck, verteilte die Hundespielzeuge in mitten der Waldlichtung und begann dann ein schauerliches Geheul.

Das hörten alle Hunde in der Welt, sie wollten sich nicht aufhalten lassen, denn eine alte Hundesage erzählte davon, wenn eines Nachts der große sibirische Schneehund ruft und sie alle in die Geheimnisse der Hundevergangenheit einweisen will, müssen sie unabdingbar folgen.

So geschah es auch. Der Vollmond beleuchtete ihren mühsamen Weg, aber sie waren nicht aufzuhalten. Er hatte gerufen, sie mussten ihm folgen, so stand es geschrieben und musste auch so vollzogen werden. Es dauerte viele Tage und Wochen, dann war es vollbracht. Sie waren alle auf der Lichtung die sich wie von Zauberhand vergrößerte, desto mehr Hunde kamen. Man konnte das Gefühl haben, als wollte der Strom nicht aufhören.

Endlich wurde es ganz still. Das Schnaufen, Winseln und Kläffen nahm ein Ende und nun kam der große alte sibirische Schneehund auf die kleine Anhöhe in der Mitte der Lichtung. Sein Fell glänzte hellsilbrig im Mondlicht. Schon als er sich räusperte, um seine Rede zu beginnen, lösten sich aus seinem wunderbaren Fell ganz sanft die ersten Flöckchen. Ein Welpe begann zu winseln und wollte gleich mit dem Spiel beginnen. Doch er musste warten, bis die wichtige Rede zu Ende war. "Nun denn", begann er gewichtig, "ihr seid meinem Ruf gefolgt so wie es die Legende sagt.

Höret:

Ihr gehört zu dem großen Geschlecht der Wächter über die menschliche Kreatur. Ihr dürft Euch nicht wider die Gesetze stellen. Wenn ich Schnee befehle, haben die Vorfahren den Nachkommen zu befehlen, streitbar zu bleiben und schon in den jüngsten Hundejahren sich in Sport und Spiel zu üben. Wer sich dem Wort widersetzt, kann bestraft werden. Im Hundebuch steht darin so Einiges und ihr wollt mich nicht dazu zwingen, im Angesicht unserer jungen Welpen darüber zu reden. Der Nachwuchs soll in Kampfesfreude heranwachsen, um der menschlichen Kreatur hilfreich zu sein. Die Aufgabe ist groß und hart. Aber so steht es geschrieben!"

Anstrengend war es für ihn, zwei Junghunde mussten ihn stützen, und der Mond verschwand so langsam hinter den Wolken. Sein Fell passte sich dem Nachtlicht an, und die große Hundemeute wirkte wie ein großer flauschiger Teppich. Doch plötzlich wurde der wunderbare Nachtzauber von einigen Fußtritten menschlicher Kreaturen gestört.

Da erhob der große, alte, weiße, sibirische Schneehund abermals das Wort und gemahnte zur Eile und zum Aufbruch, denn Menschen durften von alle dem nichts wissen. Er befahl den Hirschen, den Schlitten bereitzuhalten, denn es würde bald Tag werden und dann ist alles zu spät und der wunderschöne Hundezauber wäre vorbei. Die Hirsche des Nikolauses taten wie ihnen befohlen und standen mit dem schönen silbernen Schlitten bereit. Gestützt von den Junghunden betrat er mühselig den Schlitten, nachdem er sich noch einmal kräftig geschüttelt hatte und die Silberflöckchen nur so dahinflogen. Er stieß sein kräftiges Geheul zum Abschied noch einmal aus, und die große Hundemeute senkte ehrfürchtig die Ohren und die Ruten.

Am Himmel hoch oben zog der silberne Schlitten mit dem großen, alten, weißen, sibirischen Schneehund die Bahn und verschwand hinter den Wolken bis zur seiner sibirischen Heimat. Da würde er wieder so lange ruhen, bis man seine Gesetze wieder einmal versuchen würde, zu brechen. Dann würde er zurückkommen. Daran glauben bis in unsere Tage alle großen und kleinen Hunde, und es sollten auch alle menschlichen Kreaturen tun.

Denn mächtig ist er

DER GROSSE WEISSE SIBIRISCHE SCHNEEHUND

© November 2002 Chris Jäger


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